Die (nicht ganz ernstzunehmende) Pogo-Typologie

Der Pogo ist ein Tanz, der seine Ursprünge in der Punkszene der 1970er-Jahre hat. Der Begriff „Pogo“ wird auch für unterschiedliche Arten des Tanzes in der Punk-Szene oder Sub-Genres des Punks und Metal verwendet. Der Pogo, entstanden um 1976, ist ursprünglich ein Anti-Disco-Tanz der alternativen Punkbewegung. Sich mit allen Mitteln gegen den gleichförmigen und als langweilig empfundenen Disko-Takt zu bewegen war die Maxime. (Quelle: Wikipedia)

In meinen jahrelangen Feldstudien in Rockschuppen, auf Konzerten und bei sonstigen Gegebenheiten wollte ich dem Typus des Pogenden auf den Grund gehen. Welche Beweggründe veranlassen die verschiedenen Typen zum Pogen, wie leben sie dies aus, wie ist das Verhalten gegenüber den Restlichen der Spezie und entwickelt sich ein bestimmtes Rollenverhalten unter den Beobachteten? Zu bemerken ist zudem, dass keine scharfe Unterteilung zwischen den Typen möglich ist, sondern auch Mischtypen zu erkennen sind:

Der Randsteher
Wird an einem Konzert ein Pogofeld gestartet gibt es immer auch den Typus des „Randstehers“: Personen, die sich nicht direkt am Pogo beteiligen, jedoch trotzdem ein Teil des Geschehens darstellen, indem sie den Übergang zwischen den Unbeteiligten und den Pogo-Betreibenden einnehmen. Die „Randsteher“ kennzeichnen sich dadurch, dass sie die Pogenden Personen immer wieder ins Pogo-Geschehen mit leichten Schubsbewegungen zurück befördern. Jedoch geschieht dies meist mit eher passivem Verhalten und die Schubsbewegung stellt eher eine verteidigende Funktion dar.
Meist nimmt ein „Randsteher“ diese Position ein um sich vor Begleiterinnen oder Begleitern, die am Geschehen unbeteiligt sind, als Beschützer zu profilieren. Auch sind ist die Form des Randstehers oftmals die erste Art sich dem Pogo anzunähern. So kann ein Pogo-Anfänger vorerst ein Randsteher sein und sich im Laufe seines Pogo-Daseins zu einem Typus der „höheren“ Rangreihe weiterentwickeln.

Der Up-and-Down-Jumper
Die Spezie des Up-and-Down-Jumpers ist vorwiegend bei Rock-Konzerten mit Ska-Einflüssen beheimatet und dort in seinem natürlichen Umfeld zu beobachten. Leicht zu erkennen, durch sein Auf-und-Ab-Hüpfen, scheut der Up-and-Down-Jumper im Gegensatz zu seinen Pogo-Artverwandten den Körperkontakt zu seinen Artgenossen. Kennzeichnend für diesen Typus sind die Laufbewegungen mit den Beinen ohne dass er sich von der Stelle bewegt. Als Ranghöchste angesehen werden dabei die Jumper, welche es beherrschen, die Knie während des Hüpfens möglichst hoch zu ziehen. Dieser „Tanz“ wird von vielen mit zappelnden Armbewegungen kombiniert.

Der Average-Poger
Die Spezie, die in den Lebensräumen der Pogenden am meisten vertreten ist, ist der „Average-Poger“: Meist entwickeln sich aus Randstehern Average Poger. Diese Spezie scheut nicht den Körperkontakt wie der Up-and-Down-Jumper, hat jedoch auch keinen so agressiven Bewegungsdrang wie es beim Typus des Hard-Liner zu beobachten ist. In Rücksicht auf seine Artgenossen benutzt der Average-Poger meist nur seine Schultern oder die Körperseite um mit ihnen in Kontakt zu treten. In keinster Weise zurückhaltend, jedoch mit Rücksicht auf die Schwächeren der  Gemeinschaft übt er die Tanzart des Pogos aus.

Der Hard-Liner
Der Hard-Liner, auch bekannt als „Slamer“, zeichnet sich durch seine agressive Pogo-Weise aus. Treffen mit Gleichgesinnten sieht der Hard-Liner als Gelegenheit an, seinen Problemen und seiner Agressivität Ausdruck zu verleihen. Aufgrund seines verletzenden tänzerischen Ausdrucksweise wird der Hard-Liner von anderen Pogo-Spezien oft gefürchtet. Denn seine egozentrische Tanzweise ( an einen verrückten Kick-Boxer erinnernden Arm- und Beinbewegungen) implizieren oft Verletzungen der anderen. Im Grunde ist der Hard-Liner jedoch eine zu bemitleidenswerte Pogo-Spezie: aus Egoismus, Angst nicht der Stärkste zu sein, unterlegen zu sein und aufgrund von fehlendem Gemeinschaftsgefühl ist der Hard-Liner zu Einsamkeit und der ewigen Unwissenheit über das einzig wahre Pogo verdammt.

Gemeinsamkeiten
Auch wenn sich die verschiedenen Pogo-Typen grundsätzlich sehr unterscheiden, bilden sich doch auch Gemeinsamkeiten zwischen den Formen des Randstehers, des Up-and-Down-Jumpers, des Average-Pogers und des Hard-Liners heraus.
1. Transpiration: Wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt, so ist bei jedem Pogo-Typus Transpiration festzustellen. Diese ist abhängig von der Intensität, den Rahmenbedingungen und der jeweiligen Pogo-Ausübungsdauer.
2. Flüssigkeitsausgleich: In Zusammenhang, jedoch nicht unbedingt in Proportionalität mit der Transpiration steht der Flüssigkeitsausgleich. Von allen Pogo-Spezies gleichermaßen hoch angesehen, nehmen diese die unter dem Oberbegriff „Bier“ bekannte Flüssigkeit in rauen Mengen zu sich.

Ehrenkodex
Bei allen Typen des Poggenden ist eine große Loyalität gegenüber dem „Pogo-Ehrenkodex“ zu erkennen. Dieser besagt, dass jemanden, der während des Pogo-Tanzes stürzt, sofort wieder auf die Beine geholfen werden soll. Wird dieser Kodex missachtet, kann dies zur Ausgrenzung desjenigen aus der Pogo-Gemeinschaft führen. Jedoch gibt es auch Absonderungen von Pogo-Gruppen, oft bei hoher Anzahl von Hard-Linern, bei welchen der Ehrenkodex nicht hoch angesehen ist und jeder Beteiligte um sein eigenes Überleben kämpft.

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